Ursprungsmythen der Psychoanalyse

Die Psychoanalyse und in ihrer Folge alle tiefenpsychologisch orientierten
Theorien und Therapien beziehen aus zwei griechischen Mythen ihre Hauptkraft: aus dem „Ödipus-Mythos“ von Sophokles und dem „Narziss-Mythos“ von Ovid. Beide sind sozusagen zu „Archetypen“ der psychoanalytischen Theorie geworden.

 

Quelle: Tiedemann, Jens León, Die intersubjektive Natur der Scham (Übersicht)

Narzissmus und Depression

“Depression und Grandiosität als wesensverwandte Formen der narzisstischen Störung” hatte einst Alice Miller postuliert:

“Die Depression und ihr Gegenstück, die Grandiosität, sind Erscheinungsformen der zeittypischen narzißtischen Störung. Deren Wesen wird im notwendigen Aufgeben des ‘wahren Selbst’ um der Objekterhaltung willen gesehen. Die Ursprünge solcher Selbstentfremdung liegen in der frühen Kindheit: die Patienten versuchen lebenslang den Erwartungen der introjizierten Mutter nachzuleben”.

Zu beweisen ist davon natürlich wenig. Ein bisschen Grandiosität muss offenbar auch sein; wozu sonst bieten Märchen und Mythen all die Heldinnen und Helden zur Identifikation an?