Ursprungsmythen der Psychoanalyse

Die Psychoanalyse und in ihrer Folge alle tiefenpsychologisch orientierten
Theorien und Therapien beziehen aus zwei griechischen Mythen ihre Hauptkraft: aus dem „Ödipus-Mythos“ von Sophokles und dem „Narziss-Mythos“ von Ovid. Beide sind sozusagen zu „Archetypen“ der psychoanalytischen Theorie geworden.

 

Quelle: Tiedemann, Jens León, Die intersubjektive Natur der Scham (Übersicht)

Narzissmus – die Wiederkehr

Kurzbeschreibung

Wann ist die Selbstverliebtheit normal und wann ist sie krankhaft?
Egoistische Partner, überhebliche Arbeitskollegen, eitle Medienstars. Menschen, die ausnahmslos von sich selbst überzeugt sind, begegnen uns ständig. Selbstverliebt und egoistisch andere deklassierend stellen sie ihre Person über alles. Mit ihrer Sucht nach Zuwendung und Anerkennung tyrannisieren sie ihr Umfeld, entwickeln realitätsferne Größenphantasien und sind der Meinung, dass sie der «Stern sind, der alles überstrahlt».
Der bereits in der griechischen Mythologie verwurzelte Mythos vom Narziss ist heute aktuell wie nie zu vor. Anhand von Forschungsbefunden und spannenden Beispielen aus der Praxis zeigt dieses Buch, wie sich die narzisstische Persönlichkeit äußert und wann sie krankhaft ist. Unterhaltsam von herausragenden Wissenschaftlern geschrieben, beleuchtet das Buch das zeitlose Phänomen des Narzissmus anhand plastischer Beispiele und gibt wissenschaftlich bewiesene Antworten zum Wie, Warum, aber auch zum Umgang damit. Ein Fragebogen zur Selbsterforschung rundet den Inhalt ab.

Über den Autor

Hans W. Bierhoff, seit 1992 Professor am Lehrstuhl Sozialpsychologie an der Ruhr-Universität Bochum

dazu psychoblog.ch

Das Buch will einen Überblick über die verschiedensten Facetten des Narzissmus geben. Dieses Ziel wird auch erreicht, allerdings mit Abstrichen; es ist schwer zu erkennen, an wen sich das Buch adressiert. Einerseits erhält man eine sehr gute Übersicht über neuzeitliche Forschungsergebnisse, andererseits fehlt teilweise der Bezug zum ‚durchschnittlichen’ Leser, der sich eher für das Phänomen des Narzissmus interessiert, ohne den ganzen wissenschaftlichen Hintergrund. Auf der Buchhülle steht „Unterhaltsam geschrieben“. Dieses Attribut trifft auf weite Strecken des Buches leider nicht zu. Die Autoren verlieren sich vor allem im Bereich der Grundlagen und Typisierung in all jenen Definitionen, die bereits zum Thema abgeliefert wurden. Einzig das Kapitel über „Wie es sich anfühlt, einen Narzissten zu lieben“ ist wirklich unterhaltsam geschrieben. Hier scheinen mehr Gefühle und Persönlichkeit eingeflossen zu sein. Des Weiteren gibt es im ganzen Buch kein Bild und keine Grafik, einzig Tabellen und zwei Flussdiagramme bringen minimalste Abwechslung.

Das Fazit der Botschaft des Buches kann leicht auf den Punkt gebracht werden: „Gehen sie Narzissten aus dem Weg. Und falls sie selber einer sind, dann besteht eigentlich wenig Hoffnung auf Heilung…“

Otto Rank – vergessener Pionier der Psychoanalyse

Marina Leitner

(Quelle)

Rank postulierte eine bestimmte Gattung von Träumen und anderes während der Analyse auftauchendes Material, die "nur aus der gegenwärtigen, artifiziell geschaffenen, analytischen Situation" verständlich seien und nicht aus der Vergangenheit des Analysanden (ebd., S. 205). Er stellte sogar den Übertragungsbegriff selbst in Frage, indem er den Gedanken anregte, ob nicht jede Objektbeziehung "stets frisch von Ich her erfolgt" (ebd., S. 206). Er betonte, die Bedeutung des Historischen nicht leugnen zu wollen, jedoch entscheidend sei, daß das Material aus frühkindlicher Zeit meist nicht erinnert, sondern nur aus der analytischen Situation heraus, in der "aktuellen Reproduktion" erkannt werden könne (ebd., S. 203).
Ebenso wie in bezug auf die Technik der Psychoanalyse nahm Rank auch in der Theorie wichtige Ideen vorweg. Vor allem in seinem Werk Grundzüge einer Genetischen Psychologie I (1927) versuchte er, die Entwicklung der Objektbeziehungen und des Ichs genetisch darzustellen. Natürlich kam auch hier der Mutter wieder die entscheidende Rolle zu. Es ist kaum bekannt, daß bereits Rank zwei "Urtypen der Mutter" (ebd., S. 109) als "gutes (gewährendes) und schlechtes (versagendes) Objekt" (ebd., S. 110) unterschied. Besonders durch die Entwöhnung werde der Haß gegen die Mutter und somit die Ambivalenz gegen sie, die aus dem Geburtstrauma stammt, verstärkt (vgl. ebd., S. 83). Dies ist eine eindeutige Vorwegnahme des Konzepts der "guten" und "bösen" Mutter bei Melanie Klein oder W. R. D. Fairbairn (vgl. Eagle 1984, S. 101). In dieser Klarheit und Prägnanz hat dies niemand vor Rank formuliert. Ebenso muß man beim nächsten Satz an Melanie Klein denken:

"Die Projektion des eigenen Narzißmus schafft das Bild der «guten Mutter»Fehler! Verweisquelle konnte nicht gefunden werden., die einen so liebt, wie man sich selbst; die Projektion des eigenen Sadismus schafft das Bild der «schlechten Mutter», die einem so wehtut (straft, quält, haßt), wie man es selbst tun möchte." (Rank 1927, S. 163)

Nemesis und die Furien

Tragische Helden

„müssen immer handeln, … die Wichtigkeit des Handelns … muss auf den Akt der Hybris hinsteuern. Als Symbole … der Vergeltung treten dabei das Schicksal …. auf, … die Gerechtigkeit, oder … die Göttin der Nemesis, die mit ihren Dienerinnen, den Furien oder Reynnyen, als Rache des Schicksals erlebte Antwort auf die Herausforderung sind.“

(Wurmser, …. S. 122)

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Spiegelungen – LACAN, STERN

Bei LACAN wird der Narzissmus

„als Frage der Beziehung des Ich zu sich selbst behandelt, die ich-bildende Spiegelerfahrung des Säuglings als Urspung der Selbstreflexivität des Subjekts festgemacht.“ Weiterlesen

Ursprünge des Narzissmus

Grunbergers

Vom Narzißmus zum Objekt

ist einer der Klassiker in der psychoanalytischen Literatur zum Narzissmus. Im Klappentext heißt es:

Seit der Einführung des Begriffs Narzissmus durch J. Sadger (1908) in die Psychoanalyse und Freuds grundlegendem Artikel »Zur Einführung des Narzissmus« (1914) hat das Narzissmuskonzept vielfältige, ja verwirrende und oft widersprüchliche Formulierungen erfahren. Zugleich läßt sich aber in den letzten Jahren ein zunehmendes Interesse der Analytiker an narzissstischen Phänomenen und Störungen ihrer Patienten beobachten.
Grunbergers Buch stellt, neben Kohuts »Narzissmus« und Argelanders »Flieger« eine bedeutende Untersuchung zur Narzissmusdiskussion dar, die auch heute ihre Aktualität nicht eingebüßt hat.
In elf Arbeiten aus den Jahren 1956–1971 versucht der Autor anhand psychoanalytischen Materials – unter Einbeziehung gesellschaftlicher, religiöser und literarischer Phänomene – den Narzissmus, der in einem Kulturkreis, in dem Eigenliebe als Sünde gilt, auch für manche Analytiker noch einen schlechten Ruf hat, zu »rehabilitieren«.
Den Ursprung des Narzissmus, der sich in erhebenden Gefühlen von Selbstwert, Sicherheit und Einzigartigkeit sowie in Fantasien von Allmacht und Grenzenlosigkeit äußert, liegt nach Grunberger im intrauterinen Pränatalleben, wo der Mensch aufgrund totaler Versorgung psychologisch gesehen allmächtig, einzigartig, grenzenlos und zeitlos ist. Nach der Geburt tritt der Narzissmus mit den Trieben in eine dialektische Beziehung und muss auf jeder Entwicklungsstufe eine erneute Integration mit ihnen eingehen. Gelingt diese Integration von narzisstischen und triebhaften Anteilen nicht, so öffnen sich Grunberger zufolge die Pforten zu Neurose, Psychose und anderen psychischen Fehlentwicklungen.
Die analytische Situation erst ermöglicht dem Patienten – angehalten durch die wohlwollend neutrale Haltung des Analytikers – sich selbst zu geben und zu lieben, d. h. die gescheiterte Integration von Narzissmus und Triebwünschen wieder herzustellen und seiner inneren und äußeren Realität anzupassen. Schließlich ermöglicht die analytische Kur die narzisstische Wiederherstellung auf der Grundlage einer Integration mit Triebansprüchen und Anerkennung der Realität – den Weg vom Narzissmus zum Objekt.

»Zusammenfassend muß man feststellen, daß Grunbergers Beitrag zum Narzissmus die gegenwärtige Disskussion bereichert und deshalb seinen Platz in der Ausbildung der zukünftigen Analytiker (…) finden wird.« Hermann Argelander in der Psyche