Ich werde gefunden, also bin ich

Bei einem Wettbewerb, der zum Ziel hatte, ein Foto unter der fast sinnfreien Wort-Neuschöpfung “Simsalaseo” im Suchmaschinenranking nach vorne zu bringen, zeigte sich unweigerlich die narzisstische, selbstverliebte Komponente dieser Veranstaltung: Niemand kann ohne libidinöse Beteiligung ein neues Kunstwerk schöpfen. 

Die Selbstbezogenheit der Teilnehmer zeigte sich unter anderem darin, dass zwar geschaut wurde, was die Konkurrenten machen, dies aber selten anerkennend erwähnt, kommentiert oder verlinkt  wurde.

  simsalaseo - Buddha geht seinen Weg: "Seltsam ist das  Tun, seltsam ist das Nichttun auch".

Eine einfache Möglichkeit, das Ranking der Fressnet-Bilder zum Simsalase-contest zu verfolgen, stellt dieser Link dar:
http://schnurpsel.de/simsalaseo/?dom=fressnet

Unbeteiligte können es vielleicht nicht ganz nachvollzieh, aber überhaupt in den Suchergebnissen aufzutauchen, hat auch den Charakter von Selbstbestätigung,

wenn es sich auch nur um die Wahrnehmung durch eine Suchmaschine handelt – genau genommen also um eine “maschinelle Fremdwahrnehmung”, also um eine Fremdbestätigung.

Immerhin ist die Suchmaschine einmal von Menschen programmiert worden und folgt nicht ihren eigenen Regeln, sondern Regeln, die von Menschen erdacht worden sind und im weitesten Sinne “neutral” und “gerecht” sein sollten.

Dabei macht der Roboter ungefähr das Gleiche, wie der Mensch in der Psychoanalyse:

Er teilt seine Schlussfolgerungen, die aus Beobachtung und freier Assoziation stammen, mit.

Dabei ist anzunehmen, dass der Suchmaschine ein Verständnis für das, was sie tut, noch fehlt.

Aber, so viel ist klar: Sie beobachtet Gegenstände und deren Umfeld und stellt Zusammenhänge her.

Dabei geht sie bis in die Quintessenz der menschlichen Philosophie, sieht Feuerbach

und “Simsalaseo” (oder Diät) in einem Zusammenhang – wir erfahren allerdings nicht, in welchem.

“Der Mensch ist, was er isst” hatte jener noch behauptet und damit auf die Voraussetzung, dass ohne Sein kein Denken, ohne Hardware keine Software läuft, abgezielt.

Wörtlich war der Satz also nie zu verstehen, wurde aber missverstanden.

So geht Diät

– das weiß auch Google und präsentiert emotionslos die Graphik, crawlt sich dann weiter durch den Bilderbestand um, dann noch dieses

– auf Platz 717 zu präsentieren.

Es hat den Titel

Motivation

– und was wäre heute wichtiger als Motivation?

 

Die narzisstischen Aspekte des SEO-Wettbewerbs: Selbstbestätigung, Tricks, Täuschung und Durchsetzungsvermögen, das darwinistische “Sieg des Stärksten” auf der einen Seite, der einfache, kindliche  Spieltrieb auf der anderen: Dazwischen bewahrt Buddha die Ruhe…

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