Freud – ade?

Ein Artikel auf profil.at stellte eine weitgehende Distanzierung von Sigmund Freud dar. Der Schluss des Artikels:

 

Freuds radikale Interpretationen, in denen er die Verdrängung und Unterdrückung des Trieblebens für jedes neurotische Unglück zur Verantwortung zog, waren das Produkt einer sexuell repressiven und frauenfeindlichen Zeit und sind in diesem Kontext zu sehen. Das psychische Unglück des 21. Jahrhunderts tritt längst nicht mehr in Form von Hysterie auf, sondern in narzisstischen Störungen, Depressionen, dem Borderline-Syndrom oder Panikattacken.

 

„Natürlich existieren auch immer wieder Moden der Diagnosen“, so Christine Diercks, ehemalige Vorsitzende der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, „heute ist vieles Borderline, eine Zeit war die multiple Persönlichkeit schick.“ Gleichzeitig sind Freuds Theorien und häufig spekulative Erkenntnisse untrennbar mit seinen eigenen biografischen Erfahrungen verbunden. Im Alter von vier Jahren sah er seine Mutter auf einer Zugfahrt von Wien nach Leipzig erstmals nackt und entwickelte aufgrund dieser Erfahrung später den Ödipuskomplex. Die überdimensionale Liebe seiner Mutter („Sigi, mein Gold“) legte das Fundament für einen Größenwahn, der durch jahrelangen Kokain-Konsum zusätzlich genährt wurde.

In seinen Briefen und Notizen sprach der deklarierte Atheist, der in der Religionsausübung Analogien zur Zwangsneurose ortete, von sich selbst gerne als „Feldherr“, „Messias“ und „Moses“; seine Anhänger bezeichnete er als „Strenggläubige“ und die gegen seine Dogmen revoltierenden Schüler als „Ketzer“.

Auch für seine Besessenheit von der Sexualität gibt es eine schlüssige Erklärung. Nach der Geburt der sechs Kinder – als letztes kam seine spätere Erbin in der Profession, Anna, 1895 zur Welt – sollen die sexuellen Aktivitäten zwischen dem damals 41-jährigen „teuren Oberhaupt“ und seiner Frau Martha zum Stillstand gekommen sein. Über die „sexuelle Malaise“ notierte Freud, dem kein Biograf je einen Seitensprung nachweisen konnte: „Befriedigenden Sexualverkehr in der Ehe gibt es nur durch einige Jahre … dann versagt die Ehe, insofern sie die Befriedigung der sexuellen Bedürfnisse versprochen hat.“ …

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